Navigation und Service des Auftritts der Behindertenbeauftragten Verena Bentele

Die Beauftragte gedenkt der Opfer der "Aktion T4"

31.01.2018

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, und zahlreiche Personen des politischen und gesellschaftlichen Lebens versammelten sich an der Blauen Wand, dem Gedenk- und Informationsort für die Opfer der sogenannten „Euthanasie“-Morde in der Tiergartenstraße 4, um der Opfer zu gedenken. Die Kranzniederlegung wurde von bewegender Cello-Musik von Sonny Thet begleitet. Frau Bentele nahm in ihrem Grußwort Bezug auf Hannah Arendt und stellte fest: „Die Menschen, die hier an diesem Ort, in der Tiergartenstraße 4, gearbeitet haben, haben nicht im Sinne von Hannah Arendts lebendiger Menschlichkeit gedacht. Sie waren in der Lage tagtäglich Unmenschliches zu tun, über Leben und Tod zu entscheiden, das Vergiften, Vergasen, Verhungern und Zwangssterilisieren von Menschen vom Schreibtisch aus zu organisieren, das Leid anderer als einen bloßen Verwaltungsakt wahrzunehmen. Hannah Arendt nannte das einen „Verwaltungsmassenmord“. Bis zu 300.000 Menschen mit sogenannten geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderungen wurden im sogenannten „Euthanasie“-Programm ermordet, zuvor oftmals zwangssterilisiert wie noch einige tausend Menschen mit Beeinträchtigungen darüber hinaus.

Am Abend begrüßte die Beauftragte das Weltenbrecher Theaterensemble der Lebenshilfe Lüneburg mit ihrem Stück „Wo der Pfeffer wächst“. Die Beauftragte nahm noch einmal Bezug auf die Kranzniederlegung und betonte in ihrer Rede, dass jeder Mensch besonders und einzigartig sei, ob mit oder ohne Behinderungen. Außerdem verwies sie auf die unbedingte Notwendigkeit des Erinnerns und an das Festhalten von Ritualen zum Gedenken wie die Kranzniederlegung selbst. Rituale sind wichtig, da Geschichte keine festgeschriebene, in Stein gemeißelte Wahrheit ist. Geschichte wird immer wieder neu- und weitergeschrieben und muss von uns aktiv gelebt werden. Nur durch unser Engagement und aktives Handeln wird sie bedeutsam und wirkt auch in die Gegenwart und Zukunft. Dabei ist es zentral: Allen Menschen zuzuhören, insbesondere auch den Zeitzeugen, die ihre Geschichten so eindringlich erzählen.
Dem Theaterpublikum im Kleisthaus wurden durch die Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler mit sogenannten geistigen Behinderungen aktuelle politische Themen und gesellschaftliche Debatten präsentiert: "Was ist normal?", "Habe ich das Recht auf meine eigenen 4 Wände?" und "Kann ich Mutter werden?" Mit diesen Fragen regte das Ensemble zum Nachdenken an.

Verena Bentele spricht vor der Blauen Wand. Es regnet. Vor ihr eine Gruppe Menschen mit Regenschirmen. Im Gedenken an die Opfer der sogenannten "Euthanasie"-Morde spricht Verena Bentele vor der Blauen Wand in der Tiergartenstraße 4 zu Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft. Quelle:  Henning Schacht