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DA KANN JA JEDER KOMMEN!

Kunst und Kultur im Kleisthaus - Barrierefrei und Eintritt frei

  • Das Kleisthaus  - Der Dienstsitz des Behindertenbeauftragten
  • Das Kleisthaus – Ein Kulturort in Berlin-Mitte


Das Kleisthaus ist der Dienstsitz des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Gleichzeitig existiert es seit März 2001 als Kulturort in Berlin-Mitte. Hier werden jährlich ca. 30 Kulturprojekte mit über 100 Terminen in den Sparten Film, Literatur, Musik und Bildende Kunst angeboten.

Das Kleisthaus – DA KANN JA JEDER KOMMEN!

Dieses Motto ist durchaus ernst gemeint. Menschen mit und ohne Behinderung sind als Gäste und Künstler stets eingeladen. Barrierefreiheit und kostenloser Eintritt gewähren allen Interessenten freien Zugang zu unseren Räumlichkeiten und Veranstaltungen.

Zur Geschichte

Ursprünglich war es ein Anliegen des früheren Behindertenbeauftragten Karl-Hermann Haack, der noch vor dem Einzug in das umgebaute Kleisthaus fragte, "ob man denn nicht etwas "Schönes" in den neuen Räumen veranstalten könnte?" Es folgten in den letzten 7 Jahren ca. 35 Ausstellungen, 120 Begleitveranstaltungen, 90 Konzerte, 60 Lesungen und über 450 Filmaufführungen. Vermutlich haben rund 50. 000 Menschen bisher das Kleisthaus zu Kulturveranstaltungen besucht. Von Anfang an galt: Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungen frei und die Teilnahme ist barrierefrei möglich.

Dass in einem Bundesministerium Kunstausstellungen eröffnet werden, geschieht mitunter auch andernorts, aber dass es Konzerte, Lesungen und Kino gibt, das schien doch zunächst etwas ungewöhnlich. Eine gewisse Skepsis schwang anfangs mit, schließlich kämen ja dadurch "Fremde" ins Haus….. Und das ist gut so! Schließlich ist es ein Ziel der Kulturarbeit der Behindertenbeauftragten, Menschen in das Kleisthaus einzuladen und sie für die unterschiedlichen Angebote zu interessieren. Die tägliche Öffnung eines Ministeriums für alle Bürgerinnen und Bürger findet sich dann auch wieder im Motto des Kleisthauses: DA KANN JA JEDER KOMMEN!

Was wird geboten?

Das Kleisthaus berührt in den Sparten Musik, Literatur, Film und Bildende Kunst das Thema Behinderung, aber es steht nicht im Mittelpunkt. Dies ist beabsichtigt, schließlich steht hier nicht die Behindertenkunst (falls es sie denn geben sollte) im Vordergrund, sondern ein Kulturangebot, das Behinderung nicht ausklammert. Entscheidend ist in erster Linie die Qualität, und nicht, ob ein Künstler behindert ist oder nicht.

Musikalisch lag der Schwerpunkt bisher im klassischen Bereich. Viele Aufführungen waren dabei als Themenkonzerte angelegt, bei denen Hintergrundwissen zu den jeweiligen Musikerbiographien vermittelt wurde. Für viele Gäste dürften die Informationen zu Taubheit und Syphilis als Auslöser für persönliche und soziale Isolation bei Beethoven und Schubert sicher neu gewesen sein. Ähnliches gilt für den Einfluss von Schumanns Depressionen auf sein Werk… Interessierte Gäste fanden sich auch ein, wenn es um die besondere Stellung von Fanny Hensel als Komponistin und Salioniere oder Schostakowitschs Position unter Stalin ging. Durch ein großes Rockkonzert mit 500 Gästen im Februar 2008 wurde erstmals eine jüngere Gästegruppe angesprochen. Dies soll auch in Zukunft bei Jazz- und Rappkonzerten fortgesetzt werden. Fortgesetzt wird aber auch das traditionelle Adventskonzert mit Glühwein und Plätzchen.
Bei den Lesungen waren die Themen Aussenseitertum und Ausgrenzung ebenfalls häufig vertreten. Auf professionelle Lesungen wird dabei großer Wert gelegt.

Filmvorführungen im Kleisthaus finden seit ein paar Jahren im Rahmen der Festivals "Ausnahmezustand" und "ONE WORLD FESTIVAL" statt, aber auch themenbegleitend bei Ausstellungen. Inzwischen gibt es eine eigene Hörfilmreihe mit aktuellen Kinofilmen, die einen sehr großen Zuspruch bei den Gästen finden. Hier haben blinde und sehbehinderte Menschen die Möglichkeit, am Kinoerlebnis teilzuhaben, da die Handlung parallel zum Filmverlauf audiodeskriptiv erläutert wird. Blinde und Sehende gemeinsam in einem Kino – auch das steht für das Konzept des Kleisthauses.
Bei der Bildenden Kunst ist es bisher eine Mischung von Aussenseiterkunst und professionell etablierten Malerinnen und Malern. Wichtigstes Ereignis war die Ausstellung "Zeige Deine Wunde", die in 38 deutschen Städten und in der Schweiz zu sehen war. Hier hatten sich 1.200 Künstlerinnen und Künstler mit 5.000 Werken beworben, von denen 123 mit über 200 Arbeiten in die Ausstellung kamen.

Programmstruktur

2008 wurde mit dem Länderschwerpunkt Norwegen eine neue Struktur für das Kulturprogramm im Kleisthaus gefunden. In allen Sparten werden in Zusammenarbeit mit der Norwegischen Botschaft norwegische Künstler präsentiert. Dazu gehören Lesungen norwegischer Autoren, Konzerte mit norwegischen Musikern und Komponisten, norwegische Maler und Bildhauer sowie norwegische Filme. Das Thema Behinderung taucht dabei in den Sparten Film, Literatur und Bildende Kunst am stärksten auf. Ein Fotoprojekt des deutschen Fotografen Gregor Struntz über einen sehbehinderten Bauern und einen blinden Lehrer in Norwegen zeigt einen eigenen Blickwinkel zum Länderschwerpunkt Norwegen.
Das Interesse an den Veranstaltungen des Länderschwerpunktes Norwegen ist sehr groß, so dass diese Struktur in Kooperation mit anderen Botschaften und Kulturinstituten in den nächsten Jahren fortgesetzt werden soll.

Standpunkt

Das Kleisthaus steht für ein breites Kulturangebot für Menschen mit und ohne Behinderung. Gleichzeitig ist es ein Ort der Begegnung. Das Kleisthaus zeigt Einblicke in die Kultur anderer Länder und bezieht das Thema Behinderung dabei mit ein. Das Kleisthaus ist nicht der Ort, an dem Behindertenkunst für Behinderte gezeigt wird – es ist ein Ort des Austauschs und der Kommunikation für alle Bürgerinnen und Bürger.

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